Josh
May ist bei der Firma Hilti in Liechtenstein.
Vierte Bericht
Weiter... der Grund warum ich in den letzten
Paar Wochen gar keine Berichte geschrieben habe. Ab 16.05 bis
25.05 war ich im Urlaub. In the US!!! Zum ersten mal seit 2001
August! Ja, am 18.05 fand die Graduation (das englische Wort
eingedeutscht, so ’was bei Ihnen gibt’s nicht) meiner Mutter
statt, und am nächsten Tag die Graduation meiner Freunde. Ich
könnte nie in Europa bleiben wenn meine Mutter doch Ihren
Magister bekäme, und auch nie wenn fast mein ganzer
Freundeskreis graduiert. Die ganze Reise hat doch noch mehr Spaß
gemacht, denn es wußte gar niemand daß ich Heim fliegen würd‘.
:>)
Aber zu Kulturellen Sachen... Vielleicht war die
Reise zu kurz und zu aktiv zu merken (hab’ nur 3-4 Stunden je
Nacht geschlafen), aber es scheint mir als ob ich nun in zwei
Daseins existiere; einmal Deutschland/Europa und einmal die USA.
Ich weiß wie das amerikanische System geht, und nach 10 Monaten
weiß ich mehr oder weniger wie das deutsche/europäische System
geht. Hier sagt man „Prost“ bevor man trinkt, dort sagt man
„Cheers!“ und langt sofort zu (ok, ok, so machen
US-Uni-Studenten, aber man haut schneller in den USA rein). Hier
gibt’s spitze prima öffentliche Verkehrsmittel, dort gibt’s das
Auto. Hier um 17.30 ist das Büro leer, dort macht man
„overtime“. Hier kann man „getrennt“ ohne Problem zahlen, dort
können die Kellner Mathe gar nicht. Ich bin auch nie der Typ
Heimweh zu haben, was auch eine Rolle spielt, und mir macht’s
auch immer Spaß neue Sachen zu entdecken. Trotzdem die zwei
Dinge die mir eingefallen sind.
Ami’s können gar keine Mahlzeit haben ohne
einmal zu sagen daß das Essen sicher voll mit Fett und Kalorien
ist. Wir essen auch viel mehr „Low-Fat“ und „Sugar- Free“
künstliche Sachen, wobei man davon gar nicht satt wird. In den
USA genießt man nur ganz selten eine Mahlzeit, egal woraus sie
besteht. Tut meiner Herkunft Leid, aber ich fresse am liebsten
das Essen mit Fett und viel Kalorien. Statt darüber zu klagen
mache ich täglich Sport. Das ist die beste Lösung finde ich.
Zweite Beobachtung; meine Familie ist ganz
unorganisiert aber auch mehr kompliziert und zufälliger als die
Deutschen. Wenn wir doch nur halbwegs normal wären, ist die USA
auch mehr... Ausserordnung. Es scheint mir wie meine Familie ein
bißchen mehr Ordnung im Leben haben könnten, wenn sie nur den
Zeitplan besser machten und zuschauten. Oh my, I think I am
becoming German...
Ok, ich gebe zu daß ich von der Familie rede,
eine ganz andere Sache. Wahrscheinlich ist der zweite Punkt
nicht vollkomm richtig.
Aus der ganzen Sache kann ich noch ein
zusätzliches Thema erwähnen. Sprachen sind wie Berichte (längere
Berichte). Die soll man einmal schreiben, und dann für eine
Woche auf die Seite legen, um nicht mehr daran zu denken. Nach
einer Woche soll man dann den Bericht wieder mal durchlesen,
korrigieren, und erledigen. Bei solch einem Prozeß werden die
Kleinigkeiten, verwendete Grammatik, und Satzbau des Berichts
„vergessen“, aber nicht das Hauptthema. Beim nächsten Durchlesen
merkt man was los ist, und solange das Hauptthema am Anfang
richtig ist, kommt man zum Schluß mit einem guten Bericht.
Meiner Meinung nach soll man nach 7-9 Monate „total immersion“
in einer Sprache und Kultur eine zwei Woche Heimfahrt machen.
Diese Heimfahrt ist wie das "Zur Seite Legen des Berichts", und
wenn man zurück kommt bleibt man nicht an Kleinigkeiten und
Grammatik hängen, sondern lebt völlig im zweiten Dasein. Dann
kann man echte Freundschaften aufbauen, weil man nicht länger
„Praktikant bei einer Firma“ sondern einfach Mensch ist; er
arbeitet, feiert, lebt, und liebt, wenn auch „alles auf
Deutsch“. Diesen Plan werde ich im September der nächsten Runde
Rhodies empfehlen.
Das war’s bis zum fünften Bericht... er kommt
gleich!
Josh May
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